EntertainTV

Vor einiger Zeit hatte ich hier ja meine vielbeachtete Meinung zu Entertain publiziert. Dabei hatte ich auch Entertain 2.0 angeteasert, und das ist nun seit einigen Monaten als „EntertainTV“ verfügbar.

In der übrigen TV-Landschaft haben sich auch noch einige andere Dinge geändert. Zum Beispiel sendet DVB-T2 mittlerweile in HD, und überträgt sky via Satellit einzelne Fußballspiele in 4K UHD. Aber dazu mehr im späteren Verlauf des Abends.

Das neue Entertain gibts von der Telekom für unverändert 9,95 p.m. Aufpreis zu einem DSL-Vertrag; inklusive der Privatsender in HD kostet es 14,95 p.m. und heißt dann „EntertainTV Plus“.
In beiden Tarifvarianten mit dabei ist der deutlich kleinere neue Media Receiver 400. Das Gerät gibt Bild nur noch über HDMI aus, eine SCART-Buchse gibt es nicht mehr. HDMI-CEC funktioniert allerdings noch immer nicht und ist für ein zukünftiges Update angekündigt. Wenigstens darf als Bildausgabeformat nun auch 1080p gewählt werden.

Die Software auf der Box tut Ihren Dienst, reagiert allerdings gefühlt eine Viertelsekunde zu träge auf die Fernbedienung. Das ist insbesondere beim Zapping ärgerlich. „Mal eben vier Kanäle weiterschalten“ ging vorher besser. Weiterhin ist noch keine Netflix-App verfügbar, und auch hier lediglich angekündigt.
Neu bei EntertainTV sind die Restart- und die Replay-Funktion, mit denen man laufendes Fernsehen neu starten bzw. bis zu 7 Tage lang wiederholen kann.

Ein neues Killerfeature sucht man vergeblich. Damit bewegt sich EntertainTV produktpolitisch nahe der Grenze zur pseudofuturistischen Mogelpackung. Statt 4K UHD Fernsehen in den Markt zu bringen, hält die Telekom prähistorische SD-Sendequalität und Zeilensprungverfahren am Leben, um durch die minderwertige Tarifvariante das „Plus“-Produkt künstlich aufzuwerten.
Weil ihre DSL-Versorgung vielerorts noch immer nicht gut genug ist, mehrere HD-Streams und gleichzeitig brauchbares sonstiges Internet zu ermöglichen.
Womit wir bei der bundespolitischen Infrastrukturdebatte des Standortes Deutschland1 angekommen wären.

Statt EntertainTV für EUR 120,00 p.a. zu bezahlen, dürfte es für diverse Kunden zukünftig einfacher sein, einmalig rund 60,00 in einen DVB-T2 Receiver zu investieren oder das DVB-T2 Antennenfernsehen ganz für umme zu schauen für EUR 70,00 p.a. (denn sonst gibts gar kein Privatfernsehen, auch nicht in SD) zu schauen, weil der nächste neue Fernseher sowieso einen entsprechenden Decoder eingebaut hat.
Die EntertainTV Plus-Variante hingegen hat ihre Daseinsberechtigung für VDSL 50-Kunden (und aufwärts). Für RTL und ProSieben in HD-Qualität muss man immer einen Eintrittspreis bezahlen, und der Plus-Tarif bietet insgesamt ein komfortables Paket mit 500 GB Plattenplatz für Aufnahmen, Bedienung und Verwaltung per Smartphone- und Tablet-App und hoffentlich bald auch Netflix.

Und wenn die Telekom Ihre Ankündigungen wahr macht, passiert 2017 „irgendwas mit 4K UHD“.2
Nur dass eben dann wieder neue Receiver fällig werden.

  1. Akamai State of the Internet Q3 2016: Deutschland 13,7 Avg. Mbps
  2. 25 Mbps je Stream brauchts da schon

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