Entertain

tl;dr Kabelfernsehen von komro ist mindestens overpriced wenn nicht sogar underperforming. Telekom Entertain funzt ganz gut.
Fußball in SD-Auflösung ist im aktuellen Fernsehmarkt -egal ob komro oder Telekom- publikumsverachtend realisiert.

Ich hab ja jetzt dieses Entertain von der Telekom.
Das Wieso & Warum beinhaltete, dass ich mir einen Überblick über meine aktuellen technischen und vertraglichen Alternativen zum Thema TV-Empfang verschaffe.
Meine Risikoanalyse (Stand: September 2015) habe ich aus persönlichem wissenschaftlichen Eifer dokumentiert. Vielleicht hilft sie ja sonst noch jemandem bei der Entscheidungsfindung.

  1. DVB-T Fernsehen über eine Zimmerantenne.
  2. DVB-S Satellitenfernsehen mittels Parabolantenne aka Satellitenschüssel.
  3. DVB-C Kabelfernsehen des Rosenheimer Anbieters komro. Kabel Deutschland Vodafone liefert an meinem Hausanschluss nicht, zumindest nicht übers TV-Kabel.
  4. Entertain IPTV über einen VDSL-Anschluss der Telekom. Das gibts alternativ auch von Vodafone.
  5. Zattoo TV-Streaming über einen beliebigen Internetzugang (DSL oder DOCSIS). Das gleiche Konzept verfolgt z.B. auch Magine.

Natürlich ist TV in seiner klassischen Konsumform schon lange tot, das Publikum konsumiert lieber zeitautonom on demand und bla bla bla, aber ganz auf Fernsehen verzichten will ich dann doch nicht.
Soll heissen: als preis- / leistungsbewusster Weniggucker addiert man Rundfunkbeitrag, TV-Vertrag, Aufpreis HD+ für RTL in HD, Kosten für sky sowie Netflix, und schwupps ist man jährlich eine grössere Summe los.
Muss das so sein?

Die Wettbewerber

Zurück zur Kandidatenliste. Dort scheidet DVB-T direkt aus, weil (noch) kein HD-Bildformat möglich ist. Die übrigen Angebote vergleichen sich so:

DVB-S Astra 19.2
Preis p.m.
EUR 0,00
Mindestlaufzeit
keine
Preis p.a.
EUR 0
Hardware / Sonstiges
Fernseher mit eingebautem (Triple-) Tuner, bei aktuellen Geräten Standard. Satellitenschüssel ab EUR 30 einmalig. Aufpreis HD+ EUR 5,00 p.m. zzgl. CI+Modul einmalig EUR 60. Sky Abos separat möglich.

komro CableTV
Preis p.m.
EUR 14,75
Mindestlaufzeit
24 M
Preis p.a.
EUR 177
Hardware / Sonstiges
Fernseher mit eingebautem (Triple-) Tuner, bei aktuellen Geräten Standard. Aufpreis HD+ EUR 3,90 p.m. zzgl. CI+Modul einmalig EUR 80. Sky Abos separat möglich.

Telekom Entertain
Preis p.m.
EUR 9,95 * zzgl. DSL-Tarif Magenta Zuhause S/M/L
Mindestlaufzeit 24 M
Preis p.a.
EUR 119
Hardware / Sonstiges
* inkl. EUR 4,95 p.m. Miete Media Receiver 303 mit sep. Mindestlaufzeit 12 M. Aufpreis HD+ EUR 5,00 p.m. Sky Abos separat möglich.

Zattoo HiQ
Preis p.m.
EUR 9,99
Mindestlaufzeit
1 M
Preis p.a.
EUR 100 (-17% ggü 12x 9,99)
Hardware / Sonstiges
App für SmartTVs von Samsung und LG. Zusätzlich für Google Nexus und Chromecast, Amazon Fire TV, Apple TV und Microsoft Xbox. HD+ nicht möglich. Sky nicht möglich, bzw. lediglich sky go.

Rein finanziell müsste man also beim Satellitenfernsehen zugreifen. Doch checken wir mal die weiteren Leistungsmerkmale.
Bis auf Zattoo sind die Alternativen grundsätzlich kabelgebunden, und richten sich nicht an den flexiblen Nebenbeigucker, der in seiner Wohnung auch mobil mit Tablet oder Laptop unterwegs sein möchte.
Ironischerweise ist in meinem Fall Zattoo genau das: nur auf dem iPad und dem Rechner verfügbar. Weder für die PS4 noch für Panasonic TVs ist die App zu haben. Nicht ganz so schön für Leute wie mich, deren Main Setup aus Panasonic Fernseher und Playstation besteht. Damit ist geselliges 42“-Fernsehen nicht möglich, und Zattoo ebenfalls raus.

Wie oben angedeutet ist auch der Telekom Entertain Receiver kein WLAN-Gerät, und kann nur zur Not per Powerline oder WLAN-Bridge ins Heimnetz eingebunden werden.
Mittels einer FRITZ!Box als Router versorgt der versierte Entertain User neben dem kabelgebundenen Anschluss des T-Receivers allerdings sein komplettes WLAN zusätzlich mit kabellosen TV Streams (ohne sport1), hier steht wie. Ein Tarifupgrade auf Entertain to go für zusätzliche EUR 6,95 p.m. ist dafür nicht erforderlich – konsequenterweise wäre nach 12 Monaten Mindestlaufzeit auch die Miete des Media Receivers kündbar. Oder man verzichtet gleich ganz auf das Gerät. So könnte man „zum halben Preis“ gucken, verliert allerdings (zu viele!) Komfortfunktionen und wäre in der Situation, wegen der ich Zattoo s.o. ausgeschlossen habe.

Für DVB-C und -S funktioniert das kabellose Vergnügen ähnlich: mittels geeigneter FRITZ!Box (= die jedoch nur hat / braucht, wer auch sein DOCSIS-Internet über das TV-Kabel erhält) bzw. mittels eines SAT>IP Receivers, den man ins Heimnetz hängt.

An dieser Stelle verabschiede ich mich auch von Sat-TV. Neben Anschaffungskosten der Geräte (Satellitenschüssel, möglicherweise SAT>IP Receiver) ist mir zu viel Aufwand für Montage, Verkabelung und Netzwerkarchitektur vorhanden.

Bleiben also noch komro Kabelfernsehen und Telekom Entertain IPTV. Beides habe ich im Livetest verglichen.

Bildqualität SD

Zur Bildqualität. Auch nicht ganz unwichtig.
Leider müssen wir immernoch über SD reden. Weil die RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1 unter dem irrigen Label „HD+“ einen monatlichen Eintrittspreis für HD-Qualität inkl. Nutzereinschränkungen durch digitales Rechtemanagement verlangen, den nicht jeder für das zu 16% aus Werbung bestehende Programm zu zahlen bereit ist.

Technisch ist SD-Fernsehen damit verbunden, dass mein 1080-Zeilen Flachbild-TV damit betraut wird, aus lediglich 576 Zeilen bestehende SD-Inhalte hochzurechnen und darzustellen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Programme interlaced, d.h. als Halbbilder gesendet werden. Statt direkt 50 Vollbilder pro Sekunde auszugeben, muss der TV zuerst 2×25 halbe Bilder (jeweils die geraden und die ungeraden Bildzeilen) bestmöglich zusammenrechnen, sonst besteht das Bild aus Sägezahnkanten.

Im HD-Bereich senden RTL und ProSiebenSat.1 ihre Programme ebenfalls interlaced 1080i. Der TV muss noch deinterlacen, allerdings kein Upscaling der Auflösung mehr vornehmen.

Der Entertain Media Receiver 303

Hier kommt nun eine Besonderheit des Telekom Media Receivers ins Spiel: er gibt per Benutzereinstellung entweder 720p-Inhalte oder 1080i-Inhalte über HDMI-Kabel an den Fernseher aus.
Für ARD / ZDF ist 720p gut, denn Entertain sendet diese HD-Kanäle in diesem Format. Der TV muss noch auf 1080 hochskalieren, fertig. Für SD-Programme (oder HD 1080i) ist das Ausgabeformat 1080i die bessere Wahl, weil der Media Receiver ggf. hochskaliert, aber das Deinterlacing dem Fernseher überlässt, der das in meinem Falle besser kann als der Telekom-Receiver.

Dumm allerdings, wenn SD-Programme als 720p vom Receiver ausgegeben werden. Der Media Receiver deinterlaced und skaliert auf 720 hoch, und der TV nimmt eine weitere Hochskalierung auf 1080 vor.
Oder aber, wenn 720p-Sender im Format 1080i weitergereicht werden. Dann wird unnötig interlaced und wieder deinterlaced.
Das alles sorgt für sichtbar schlechteres Bild.

Und leider hat der Telekom Media Receiver nun eben keine „Auto“-Einstellung, die das Bild unbehandelt weitergibt und auf Deinterlacing & Upscaling des SmartTV vertraut.
Wer also bei Entertain zwischen ARD / ZDF in HD und RTL / Sat.1 in SD hin- und herschaltet, bekommt nicht automatisch das beste Bild.1
Tja.

imageThomas Müller, interlaced.
(Das Spiel ging übrigens 0-1 verloren.)

jetzt aber: Bildqualität SD

Paradedisziplin der miesen Bildqualität ist die Fußballübertragung. Bei zu niedrigen Bitraten darf man sich über Kompressionsartefakte an den Kanten der halbtransparenten Senderlogos freuen, über Blöckchen bis hin zu Mosquitoschwärmen um die Konturen der sich bewegenden Spieler sowie über verschwommen wabernde Rasenflächen.
Und Deinterlacing und Upscaling machen es nur noch schlimmer.

Bei nahem Sitzabstand zum TV sieht man bei Entertain (576 Zeilen, 25 Frames, komprimiert mit H.264 bei 3-4 Mbit Bitrate) und komro (480 bzw. 576 Zeilen? Bitrate?) jeweils deutliche Bewegungsartefakte, und von „Rasen“ kann nicht die Rede sein. Schlimm.
Beide Kandidaten liefern hier ein Bild ab, das möglicherweise auf einem 35 Jahre alten Röhren-TV zu ertragen ist, darüber hinaus aber klar als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden muss.

Ansonsten schwankende Qualität bei komro. Diverse Nischensender werden in SD mit katastrophal schlechtem Bild übertragen. Besonders mies übrigens der eigene komro infokanal: er sendet das qualitativ schlimmste Standbild ever. Graue Schrift auf grauem Grund, Schriftgröße 8, maximaler Kompressionfaktor = vermatschte Buchstaben, keine klare Kante, überall Geisterschatten.
Bei einem Standbild!!

Was die zeitliche Komponente angeht: komro sendet 3 bis 13 Sekunden vor Entertain. Wenn der Nachbar also schon jubelt, weisst Du dass der Ball drin und Deutschland Europameister ist.

Bildqualität HD

Beide verbleibenden Kandidaten liefern die öffentlich-rechtlichen Sender in 720p/50, Entertain mit 8,5 bis 10 Mbit Datenrate (komro ?). Die Bildqualität ist gut bekömmlich, wenn auch nicht perfekt. Wer nah an den Bildschirm rangeht, sieht beim Fußball die Artefakte an den Spielerkonturen und an der Zeit- / Spielstandseinblendung.

Auch sky (= der Fußballsender überhaupt) wird von der Telekom so aufgeschaltet. Die Diskussionen in den Expertenforen zur objektiven / schwankenden / nachlassenden Bildqualität sind trotzdem mannigfaltig. Am eigenen Leib habe ich es mangels sky-Abo nicht getestet.

Entertain Shenanigans und 2.0

Neben dem old schooligen Fernsehngucken bietet der Receiver eine 500 GB Festplatte und hat auch die Telekom-Videothek Videoload an Bord. Ich kann munter aufnehmen, zeitversetzt sehen (laufendes Programm mit Pause-Taste unterbrechen weil Mutti anruft und dann später weitergucken), die Mediatheken der Sender nutzen und über Videoload Content mieten. Maxdome und Netflix sind ebenfalls verfügbar.
Ach ja: Umschaltzeiten Kanalwechsel sind generell gut. Und Betriebsgeräusch ist beim Media Receiver nicht wahrnehmbar.
Und mittels iOS-App gibts Programmzeitung und kann ich Aufnahmen des Receivers (fern-) programmieren, das passt auch gut.

Für Ende April 2016 ist Entertain 2.0 und ein neuer Media Receiver angekündigt. Wäre doch schön, wenn RTL / Sat.1 endlich ohne Aufpreis in HD dabei wären.
Oder die SD-Programme als Vollbilder geliefert würden; wer eine interlaced-Ausgabe über SCART auf seinen alten Röhren-TV braucht, bekommt das Bild dann halt vor Ort vom Media Receiver zerstückelt.
Oder wenn zumindest die oben beschriebene „Auto“-Ausgabe per HDMI funktionieren würde.

Und HDMI CEC muss dann auch dabei sein. Meine sämtlichen anderen HDMI-Geräte kommunizieren darüber miteinander, nur der Media Receiver kann das bisher nicht.

Zattoo dies & das

Oben nicht gefeatured, ist Zattoo doch ein ganz angenehmes Angebot. Unter anderem, weil man mittels eines DNS-Unblockers wie z.B. Smart DNS Proxy die schweizer HiQ-Variante nutzen kann. In diesem Senderpaket gibt es BBC und iTV –  d.h. den direkten Weg zu Doctor Who, Sherlock und anderen guten Sachen.

Schlusswort und Gewinnspiel

Soviel heute zu Thema „Fernsehen“.
Wer noch Fragen hat, oder einen Besuch bei Disco mit Ilja Richter gewinnen möchte, schickt eine Postkarte an das ZDF, Unterföhring!

  1. Was mit Firmware-Update 2.0 (?) zu beheben wäre.

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